Irán-Verhandlungen: Warum eingefrorene Milliarden im Zentrum der Gespräche stehen
Berlin, 03 Juni 2026
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Summary
Im Mittelpunkt der laufenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stehen Milliarden an eingefrorenen Geldern, die im Ausland blockiert sind. Eine US-Seeblockade, Sanktionen und der Iran-Krieg haben die Wirtschaftslage im Iran dramatisch verschärft, die Inflation ist auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen.
Berlin, 03 Juni 2026
Bei den Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm rückt die Freigabe blockierter iranischer Milliarden-Gelder zunehmend in den Mittelpunkt, während eine US-Seeblockade und anhaltende Sanktionen die Wirtschaftskrise im Iran verschärfen.
Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm kreisen nach Einschätzung von Experten zunehmend um eine Frage: Wie viel Geld kann dem Iran kurzfristig zur Verfügung gestellt werden, um die schwere Wirtschaftskrise zu lindern? Nach Angaben des Sanktionsexperten Sascha Lohmann vom German Institute for International and Security Affairs (SWP) in Berlin hängen die iranischen Erdölexporte derzeit am seidenen Faden. Eine im Zuge des Krieges verhängte US-Seeblockade behindere den Zugang zu dringend benötigter Devisen, sagte Lohmann.
Iran ist nach Angaben der Zentralbank des Landes mit einer Inflationsrate konfrontiert, die im Mai 77,2 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Die durchschnittliche Teuerung der vergangenen zwölf Monate betrug 53,9 Prozent. Das in Teheran ansässige Bamdad-Institut, ein wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut, bezeichnete die registrierten Preissteigerungen als die höchsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach Einschätzung von Kritikern gibt die iranische Führung staatliche Mittel vor allem für Rüstungsprojekte und die Unterstützung verbündeter Milizen im regionalen Machtkampf mit dem Erzfeind Israel aus.
Un régimen de sanciones integral
Hintergrund der Verhandlungen ist ein Sanktionsregime, das nach Worten von Lohmann zu den umfassendsten gehört, die jemals von den Vereinten Nationen, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union verhängt wurden. "Es ist eines der umfassendsten Sanktionsregime, die sowohl von den Vereinten Nationen als auch von den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union bisher überhaupt verhängt wurden", sagte der Experte. Die Strafmaßnahmen waren wegen des umstrittenen Atomprogramms, der Menschenrechtsverletungen sowie iranischer Unterstützung für Russland im Krieg gegen die Ukraine verhängt worden.
Ein zentraler Streitpunkt sind die im Ausland eingefrorenen iranischen Vermögenswerte. Lohmann zufolge gehen die Schätzungen auseinander: Vor wenigen Jahren seien es rund 100 Milliarden US-Dollar gewesen, inzwischen schwanken die Angaben zwischen 90 und 140 Milliarden. Sechs Milliarden US-Dollar werden derzeit in Katar gehalten, wohin sie unter Beteiligung europäischer Finanzinstitute aus Südkorea transferiert wurden.
Miles de millones congelados y bancos involucrados
An dem Transfer waren nach Angaben von Experten auch deutsche, schweizerische und irische Banken beteiligt. Diese Institute verlangten demnach von der US-Regierung verbindliche Zusicherungen, dass sie wegen der Transfers nicht selbst mit Sanktionen belegt würden. "Den damals beteiligten deutschen, schweizerischen und irischen Banken musste man sehr stark vonseiten der US-Regierung versichern, dass wegen der Transfers keine Sanktionen unternommen werden", erklärte Lohmann.
Das Wiener Atomabkommen von 2015 (JCPOA) hatte Teile der Sanktionen im Gegenzug für Zugeständnisse beim Atomprogramm ausgesetzt. Nachdem der damalige US-Präsident Trump 2018 aus dem Abkommen ausgestiegen war, traten die Strafmaßnahmen nicht nur wieder in Kraft, sondern wurden zusätzlich verschärft. Selbst nach der teilweisen Aufhebung der Sanktionen im Rahmen des JCPOA hatten sich zahlreiche Unternehmen gescheut, auf den iranischen Markt zurückzukehren.
Im März dieses Jahres hatte das US-Finanzministerium im Zuge des aktiven Iran-Krieges die Sanktionen gegen iranisches Öl vorübergehend gelockert, um steigende Rohölpreise einzudämmen. Laut Lohmann kann der US-Präsident Sanktionserleichterungen durch Ausnahmen gewähren, die mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet werden. Eine US-Seeblockade belastet jedoch weiterhin die iranischen Ölexporte und erschwert den Zugang zu Devisen.
Consecuencias económicas para la población
Iran ist nach wie vor vom internationalen Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen, was den Zahlungsverkehr mit dem Ausland erheblich erschwert. In den vergangenen Jahren konnte das Land dennoch Öl verkaufen, vor allem an China als Hauptkäufer. Internationale Sanktionen haben in einigen Bereichen, darunter bei Medikamenten, zu Versorgungsengpässen geführt. Darüber hinaus hatte ein monatelanger Internetausfall, den die iranischen Behörden verhängt hatten, den Online-Handel lahmgelegt und Tausende Menschen arbeitslos gemacht.
Escepticismo ante las negociaciones
Die wirtschaftliche Not hat auch politische Folgen: Die Januar-Proteste im Iran waren nach Einschätzung von Beobachtern die größten Massenproteste seit Jahren und wurden ursprünglich durch die Wirtschaftskrise ausgelöst. Die Mittelklasse im Iran ist nach Einschätzung von Experten seit Jahren geschrumpft, Teile der Bevölkerung sind in die Armut gerutscht. Der Iran mit seinen rund 86 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern steuert damit auf eine weitere Verschärfung der sozialen Lage zu, sollten die Verhandlungen scheitern.
Lohmann äußerte sich skeptisch, ob in der laufenden Verhandlungsrunde ein Abkommen erzielt werden kann, das alle notwendigen Details regelt. Die Komplexität der US-Außenpolitik mache dies zu einer schwierigen Aufgabe. Zugleich verwies er darauf, dass die iranische Seite aus den Erfahrungen nach 2016 gelernt habe. Damals habe der Iran in dem Sinne nicht gut verhandelt, weil die psychologische Nachwirkung der Sanktionen nicht antizipiert worden sei. "Und das wissen mittlerweile auch die Iraner. Das haben sie, glaube ich, gelernt in der Zeit nach 2016. Damals hatte der Iran auch in dem Sinne nicht gut verhandelt, weil eben diese psychologische Nachwirkung der Sanktionen nicht antizipiert wurde", sagte Lohmann.
Questions & Answers
Wer ist Sascha Lohmann?
Sascha Lohmann ist Sanktionsexperte am German Institute for International and Security Affairs (SWP) in Berlin und einer der zentralen Experten, die in der Berichterstattung zur Wirtschaftslage des Iran und zu den laufenden Verhandlungen zitiert werden.
Warum steht Geld im Mittelpunkt der Iran-Verhandlungen?
Eingefrorene iranische Vermögenswerte im Ausland, Schätzungen zufolge zwischen 90 und 140 Milliarden US-Dollar, könnten kurzfristig Devisen freisetzen, die die iranische Wirtschaft wegen der US-Seeblockade und der Sanktionen dringend benötigt.
Welche Rolle spielt das Wiener Atomabkommen von 2015?
Das JCPOA hatte Teile der Sanktionen gegen den Iran im Gegenzug für Zugeständnisse beim Atomprogramm ausgesetzt; nach dem Ausstieg des damaligen US-Präsidenten Trump im Jahr 2018 traten die Sanktionen nicht nur wieder in Kraft, sondern wurden zusätzlich verschärft.
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